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Corona-Update und Tipps für Reiseveranstalter

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Ende Dezember 2019 wurde der erste Fall des neusten Corona-Virus, SARS-CoV-2, in China in der Region Wuhan diagnostiziert. Dieser breitete sich rasant auf der ganzen Welt aus. Laut der Johns-Hopkins-Universität (27.03.2020) sind heute weltweit 176 Länder von der Pandemie betroffen. Wie kann die Reisebranche damit umgehen? Und wann ist ein Ende in Sicht?

Der deutsche Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin und der deutsche Arzt und Biochemiker Alexander Kekulé äußerten und äußern sich sehr tiefgründig zur aktuellen globalen Situation.

Im Podcast Kekulés Corona-Kompass vom Mitteldeutschen Rundfunk sagt Kekulé (MDR 23.03.2020), dass sich 60-70% der Bevölkerung mit dem Virus infizieren müsste, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Einmal infiziert, ist man „wahrscheinlich für den Rest der Pandemie immun […], [f]ür ein paar Jahre“ (Schumann 20.03.2020), teilte Drosten der Zeit in einem Interview mit.

Aber was bedeutet „für den Rest der Pandemie“?

Viele Wissenschaftler*innen, unter anderem Drosten und Kekulé, sind sich einig, dass es noch zu früh ist, die Dauer der Pandemie einzuschätzen. Laut Drosten (cf. Schumann 20.03.2020) und Kekulé (MDR 24.03.2020) wird es Ostern wahrscheinlich genug Daten geben, um die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen sowie die weitere Ausbreitung des Virus besser zu bewerten. Daraus leiten sich dann auch Konsequenzen für die Ausweitung oder Rücknahme von Maßnahmen ab, darunter die Mobilität und Reisefreiheit der Menschen.

Was macht Hoffnung?

Drosten (NDR 25.03.2020) verwies im Podcast Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten auf einen Antikörpertest. Es wird vermutet, dass Antikörper des SARS-CoV-2 wie bereits beim ersten SARS-CoV noch mehrere Jahre nach der Erkrankung im Körper nachzuweisen sind. Ein Antikörpertest kann demnach anzeigen, ob man Covid-19 bereits hatte und folglich schon immun ist. Dieser Test wird bisher nur in Laboren verwendet, für den privaten Hausgebrauch könnte dieser aber in 2-3 Monaten verfügbar sein, so die Vermutung von Drosten (NDR 25.03.2020). In einer weiteren Folge (NDR 17.03.2020) spricht Drosten von einem in der Entwicklung befindlichen Antigentest, der wie ein Schwangerschaftsschnelltest funktioniert. Drosten vermutet, dass so ein Test in ein paar Wochen oder Monaten frei verkäuflich sein wird, sodass sich alle selbst auf das Coronavirus testen können (cf. NDR 17.03.2020 & 25.03.2020).

Beide Tests als Massenprodukt auf dem freien Markt sollten mehrere Vorteile mit sich bringen:

  • Diejenigen, die Erkältungssymptome haben, aber nicht getestet werden, könnten sich selbst testen und würden bei einem Positivtest vermutlich viel strenger die Isolierungsregeln einhalten, was wiederum die Ansteckung senkt und die Ausbreitung verlangsamt.
  • Die Krankenhäuser, deren Überlastung ein Hauptgrund für die strengen Maßnahmen sind, würden entlastet werden, da nicht infizierte Patient*innen wegbleiben, infizierte Patient*innen der Risikogruppen aber evtl. in einem früheren Krankheitsstadium ins Krankenhaus gehen, sodass die Maßnahmen schneller ergriffen werden können.
  • Durch den Antikörpertest können positiv Geteste evtl. früher ihre Arbeit wieder aufnehmen und wieder mobiler werden, da sie wissen, dass sie immun sind. Entscheidungen darüber liegen natürlich in den Händen der Politik.

Weiterhin entwickeln mehrere Pharmaunternehmen derzeit einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Dieser wird wahrscheinlich im Frühjahr 2021 auf dem Markt einsatzbereit sein. Nach Kekulé (MDR 23.03.2020) wird es dann zu einer weitreichenden Erholung der Pandemie kommen.

Mit Hilfe der erwähnten Tests könnte die von Humanmediziner*innen wie Karl Lauterbach (Kolhoff 2020) prognostizierte zweite Virus-Welle im Herbst weniger stark ausfallen.

Wie ist die Lage für Reisen nach Nordamerika?

Auch die USA sind bereits in den Fokus der Corona-Krise gerückt. Dabei ist zu bemerken, dass New York City das Epizentrum der Pandemie in den Vereinigten Staaten ist, nicht zuletzt durch die Einreisenden aus der ganzen Welt. Aufgrund des exponentiellen Anstiegs der Infizierten wurde am 13. März 2020 vorerst für 30 Tage ein Einreiseverbot für die meisten Ausländer und Ausländerinnen (cf. Auswärtiges Amt 26.03.2020). Update vom 30.04.2020: Einreiseverbot in die USA wurde auf unbestimmte Zeit verlängert (cf. Auswärtiges Amt 15.04.2020).

Die Grenzen zu Kanada sind ebenfalls für alle nicht wesentlichen Reisen bis zum 30. Juni 2020 für alle Länder der Erde, bis auf die USA (gewisse Einschränkungen), geschlossen (cf. Government of Canada 27.03.2020).

Was bedeuten die drastischen Maßnahmen für den globalen Tourismus?

Der Tourismus ist einer der am stärksten betroffenen Sektoren der Corona-Krise. Die World Tourism Organization der Vereinten Nationen (UNWTO 2020) betont, dass es noch zu früh sei, um die Auswirkungen auf den weltweiten Tourismus richtig abschätzen zu können. Bei einigen Prognosen wird sich oft an der SARS-1-Krise von 2003 orientiert. Wie im Podcast erwähnt, ist ein Vergleich aber sehr gewagt, da sich die beiden SARS-Viren in bestimmten Punkten, wie der Infektiosität, unterscheiden (cf. NDR 24.03.2020).

Was können Reiseveranstalter tun?

In Anlehnung an die „recovery and resilience strategy“ von Eran Ketter (ITB 2020) und unter Berücksichtigung bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie Strategien, die bei manchen Veranstaltern bereits angewendet werden, haben wir vier Punkte für Sie näher definiert, die Sie als Reiseveranstalter in der derzeitigen Lage umsetzen können, um trotz finanzieller Einbußen hoffentlich als starkes Unternehmen aus der Krise heraustreten zu können:

  1. Informieren

Wir empfehlen, sich mit der aktuellen Situation, den Zahlen und (wissenschaftlichen) Fakten vertraut zu machen, damit Ihr Unternehmen zielsicher agieren und Entscheidungen treffen kann.

  1. Destinations-Marketing

Überlegen Sie, wie Sie ohne große finanzielle Mittel, also v.a. online, ihre Destinationen weiter vermarkten können. Nutzen Sie das Fernweh, das viele Menschen gerade jetzt befällt (siehe ein schöner Artikel dazu), und bieten Sie ihnen Bilder und Videos, in denen die Zuhausebleibenden die Überbrückungszeit gut überstehen können und vielleicht neue tolle Reiseideen entwickeln.

  1. Nachfrage

Wer auch Reisen im eigenen Land anbietet, sollte den Fokus vorerst darauf legen. Bei einem Portfolio mit Reisen außerhalb Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz ist es gut, sich auf Gebiete zu konzentrieren, in denen es wenige Fälle und gute Prognosen gibt. Hier ist zu beachten, dass von Kekulé (MDR 23.03.2020) angenommen wird, dass die Pandemie in den Sommermonaten von der Nordhalbkugel in die Südhalbkugel wandert, da dann dort Winter ist.

  1. Positives Image

Einbeziehen der Kund*innen im Social Media, neue Strategien und Kooperationen, Flexibilität bei Buchungen und ihre Hilfeleistungen in Zeiten wie diesen – all dies schützt und stärkt Ihr positives Image:

  • Über Social-Media-Kanäle können Sie die Kunden und Kundinnen mit einbeziehen, indem diese beispielsweise Urlaubsbilder von vergangenen Reisen mit der Community teilen. Erleben Sie das Fernweh und die Vorfreude auf zukünftige Reisen gemeinsam.
  • Denken Sie über flexibles Buchen nach. Wenn man der Kundschaft attraktive Stornierungsbedingungen anbietet, sind diese sehr viel mehr ermutigt, eine Reise für den Sommer zu buchen. Vergleichen Sie hierfür die Konditionen der Hotels und anderer Partner. Die Konditionen bei MISA Tours International erfahren Sie unter info@culture-mondial.com sowie ganz hinten im Katalog.
  • Reisende, die über einen Reiseveranstalter gebucht haben, merken gerade jetzt, dass sie von Ihnen sehr gut betreut werden und demnach die richtige Wahl getroffen haben. Auch Sendungen über Reiserecht betonen, dass diejenigen Vorteile haben, die ihre Reise nicht selbst gebucht haben, sondern die ihre Leistungen durch einen Reiseveranstalter beziehen. Rücken Sie diesen Vorteil zukünftig stärker in den Vordergrund. Vielleicht kann so eine große Kundschaft von Menschen neu gewonnen werden – vor allem die Jüngeren, die in den vergangenen Jahren stärker auf individuelle Buchungen gesetzt haben.
  • Weiterhin raten wir dazu, die Zeit momentan für neue Kooperationen, neue Investments oder das Überdenken der Unternehmensstrategie zu nutzen. Online-Fortbildungen wären hier auch als Möglichkeit der Zeitüberbrückung zu nennen.

Im Namen unserer Kooperationspartner wünschen wir Ihnen alles Gute für diese Zeit. Bei Fragen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung. Bleiben Sie gesund und stark.

 

Bibliographie

Auswärtiges Amt (26.03.2020): „USA / Vereinigte Staaten: Reise- und Sicherheitshinweise“, in: Auswärtiges Amt <https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/usa-node/usavereinigtestaatensicherheit/201382#content_0> [27.03.2020].

Auswärtiges Amt (15.04.2020): „USA / Vereinigte Staaten: Reise- und Sicherheitshinweise“, in: Auswärtiges Amt <https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/usa-node/usavereinigtestaatensicherheit/201382#content_0> [30.04.2020].

Government of Canada / Gouvernement du Canada (27.03.2020): „Coronavirus disease (COVID-19): Canada’s response“, in: Canada.ca. The official website of the Government of Canada <https://www.canada.ca/en/public-health/services/diseases/2019-novel-coronavirus-infection/canadas-reponse.html> [27.03.2020].

ITB Berlin (2020): „Coronavirus Outbreak: Effetcs on Global Tourism and Successful Recovery and Resilience Measures“, in: Messe Berlin (ed.): ITB Virtual Convention (= ITB Online Convention) <https://www.itb.com/VirtualConvention/> [27.03.2020].

Johns-Hopkins-University (27.03.2020): „Coronavirus COVID-19 Global Cases by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University“, in: Johns Hopkins University & Medicine. Coronavirus Ressource Center <https://coronavirus.jhu.edu/map.html> [27.03.2020].

Kolhoff, Werner (08.03.2020): „Wir werden mindestens 12 Monate mit Corona zu tun haben“, in: Saarbrücker Zeitung <https://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/politik/inland/spd-gesundheitsexperte-lauterbach-rechnet-mit-zweiter-corona-welle-im-herbst_aid-49438171> [27.03.2020].

Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) (23.03.2020): „Kekulé #7 Viel zu früh für Optimismus“, in: Kekulés Corona-Kompass <https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/kekule-corona/kekule-fuer-optimismus-zu-frueh100.html> [27.03.2020].

Norddeutscher Rundfunk (NDR) (17.03.2020): „(15) Infizierte werden offenbar immun“, in: Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten <https://www.ndr.de/nachrichten/info/15-Infizierte-werden-offenbar-immun,audio654608.html> [27.03.2020].

Norddeutscher Rundfunk (NDR) (25.03.2020): „(21) Antikörpertests kommen bald“, in:  Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten <https://www.ndr.de/nachrichten/info/21-Antikoerpertests-kommen-bald,audio658532.html> [27.03.2020].

Schumann, Florian (2020): „Wir müssen jetzt die Fälle senken. Sonst schaffen wir es nicht“, in: Zeit Online < https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/christian-drosten-coronavirus-pandemie-deutschland-virologe-charite> [27.03.2020].

World Tourism Organization (UNWTO) (17.03.2020): „Tourism and Coronavirus Disease (Covid-19)“, in: World Tourism Organization <https://www.unwto.org/tourism-covid-19-coronavirus> [27.03.2020].

Bild: c by Michael Schreiber

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